Die 70er Jahre

Ein Jahrzehnt, das es wirklich in sich hatte! Gab es 1970 nur einen öffentlichen Termin, so waren es 1971 deren gleich fünf. Vergessen wir nicht: Geprobt wird wöchentlich, und das nicht zu knapp. Und sollen die Auftritte dann gelingen, werden oft noch Stimmproben eingeschoben. Geschenkt wurde und wird allenfalls dem Publikum etwas, nicht jedoch den Spielern. Sie müssen sich ihren Beifall oft mühevoll verdienen. Benotet man die Jahre nach Neuzugängen, war 1971 der stärkste Jahrgang. Sechs junge Leute schrieben sich bei uns ein, die allesamt zu Volltreffern wurden. Erwähnt seien hier nur Christian Kaiser und Günther Zimmermann. Am 6. Februar des Jahres gaben sich Luise und Anton Gebert das Jawort. Nach zwei Terminen im Jahr 1972 nahmen wir 1973 zusammen mit zehn weiteren Musikvereinen an einem Frühjahrskonzert des „Vereins zur Förderung eines Schwimmbades“ in der Turnhalle Roßtal teil. Unsere Hälse wären heute wohl ganz schön schmutzig, hätten wir auf die Fertigstellung des Bades gewartet. Nicht dass Sie meinen, es wäre wieder abgerissen worden! Nein, nein, es wurde nie gebaut. Anläßlich des 40. Geburtstages von Heinz Gschwind am 28. Februar 1974 gab`s nach dem Ständchen für`s Orchester einen Gänseschmaus (Das arme Viech!). Die Stimmung und die festliche Tafel animierten Loni dazu, seine Videokamera zu holen. Gespannt darauf, das Ergebnis zu sehen, war die Enttäuschung doch groß, als sich herausstellte, dass Loni vergessen hatte einen Film einzulegen. Die Lacher allerdings hatte er auf seiner Seite. Am 24. April des Jahres betätigte sich Anton Gebert als Geburtshelfer und gründete das Jugendorchester. Eine Institution, die zum festen Bestandteil des AOR wurde. Und dann das Unfassbare! Am 23. Juni 1974 verunglückten Franz Fassmann und Loni Esberger schwer mit dem Automobil. Während Loni verhältnismäßig gut davonkam, erlitt Herr Fassmann einen Schädelbasisbruch. Es ging also um sein Leben und wir mussten um ihn bangen. Nach einem langen Jahr der Gebete und des Hoffens hatte das Orchester ihn dann, Gott sei Dank, wieder. Man kann sich vorstellen wie erleichtert alle waren.

„Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber es unmöglich ist zu schweigen“
(Victor Hugo)

Während dieses Jahres führte Loni Esberger mit viel Geschick das Orchester durch alle Proben und Veranstaltungen. In seiner kameradschaftlichen Art war er stets der ruhende Pol, der es immer wieder geschickt verstand, ausgleichend zwischen Spielern und Dirigenten zu vermitteln. Am 10. Mai 1975 gab die LYRA mit unserer Beteiligung ein Konzert, dessen Reinerlös helfen sollte, den Bau des Hallenbades zu verwirklichen. Was daraus wurde, wissen wir bereits. Ferner trat das Orchester in diesem Jahr am 28. September noch beim „Tag der Heimat“ der Sudetendeutschen Landsmannschaft auf und war zum „Welttierschutztag“ am 4. Oktober vom Tierschutzverein engagiert worden. An diesem Tag hat das Orchester das erste und einzige Mal seine Dienste verweigert, und das sogar mit Einverständnis des Veranstalters und des Publikums. Nach „Die Diebische Elster“ zeigte man einen Film über Vogelmord. Danach war es uns unmöglich, weiter Musik zu machen. Mit Schmunzeln denken einige von uns an den Vereinsausflug 1976 nach Col de la Schlucht in den Vogesen zurück. Bei phantastischem Essen und erlesenen Getränken bewegten wir uns wie „Gott in Frankreich“ durchs Elsaß. Unsere Route ging über Straßburg, Mulhaus und Colmar. Viel Schlaf gab´s in dieser Nacht natürlich nicht, zumal Harald Schmitt mitternächtlich im Nachbarzimmer weiße Mäuse suchte. Ob er sie fand oder etwas besseres, hat er uns nicht verraten. Die herrliche Wanderung bei schönstem Wetter durch die Vogesen hat dann die Müdigkeit vom nächsten Morgen schnell verfliegen lassen. Ging in Frankreich noch ein laues Lüftchen, so wehte auf der Heimfahrt ein ganz anderer Wind, als man im Bus den Munster-Käse auspackte, den die Wirtsleute uns mitgegeben hatten.
1977 packte Reiner Gottwald ein unruhiges Gefühl. Er sagte sich: „Bevor es verboten wird, tue ich es lieber!“ Und so trat er dann am 25. Februar 1977 mit seiner Waltraut vor den Traualtar.